Herzenssachen in Köln

Heute war es dann so weit. Unsere Klasse plus Lehrer machte sich auf in Richtung Köln, denn Ziel war es, die Ausstellung „Körperwelten – Eine Herzenssache“ zu besuchen. Also hier in Soest in den Zug gehüpft, über Hamm nach Köln gefahren. Vom Bahnhof Köln-Deutz mit der U-Bahn zur Messe und tadaa – hier wären wir.
Erster Eindruck: Wieso, zum Teufel, ist das ein Zelt? Durch das Minihäuschen am Eingang gegangen, was eher an ein Kassenhäuschen an Kirmes erinnert, und schon wurde man von der Farbe schwarz erschlagen. Überall.. Die Wände, der Boden, die „Raumtrenner“, alles. Das Licht war auch eher gedämpft. Als kleines Schmankerl fand man ein Skelett, mit einer Zigarre im Mund und Zylinder auf dem Kopf, auf einem roten Sofa sitzend. Absoluter Blickfang und die ersten „Ieeeeeeh! Der is ja toooooooot!“ – Kreische machten sich von den anderen breit. Nun gut. Tickets geholt und ich bin als erste in die Ausstellung gestiefelt. Da begrüßte mich zuerst ein Plastinat des Herzens, schön rot nachgefärbt. Während ich da so herging, wackelte alles um mich herum. Na wunderbar. Der Boden, der nur dürftig mit schwarzem Teppich belegt war, waren eigentlich Holzleisten. Zelt eben. So machte das schon teilweise einen albernen Anschein, wenn man so an den Ausstellungsobjekten vorbeiging und sie dir freundlich mit dem Kopf zu nickten.
Desweiteren fand man hier und da noch ein paar Ganzkörperplastinate, den berühmten „Schachspieler“, so wie auch „die Tänzer“. Zwischendurch gab es immer wieder „Schaukästen“ mit einzelnen Plastinaten, zum Beispiel der Lunge, des Ohres, der Leber, der Niere… Nach einiger Zeit wurde es aber schon fast langweilig immer das gleiche zu sehen, der Schockeffekt, von dem alle sprachen, blieb irgendwie aus. Mag sein, dass ich vielleicht „zu hart“ bin, oder sonst was, aber mich haben selbst nicht die kleinen Föten oder die Plastinate beim Geschlechtsakt vom Hocker gehauen. Klar, fand ich das alles interessant, aber ich habe mir doch schon mehr unter Körperwelten vorgestellt. Das einzig richtig beeindruckende war die Giraffe, die da unverhofft am Ausgang herumstand. Nett war es auch, die Unterhaltungen von anderen Besuchern mitzuhören. So gab es ein älteres Ehepaar, was an dem Plastinat der Wirbelsäule stand, und die ältere Frau zeigte mit ihrem Finger am Halswirbel herum. „Sieh mal, die beiden Wirbel da habe ich kaputt!“ Also hat es wohl seinen Sinn und Zweck erfüllt, nämlich, den menschlichen Körper anschaulich darzustellen.
Ich habe mir die Ausstellung so gut wie alleine angesehen. Gerne wollte ich auf die Kommentare wie „Boar, guck mal!“ oder „Ist doch eh alles nur Plastik“ verzichten, mir mein eigenes Bild machen. Interessant war es allerdings, zwischendurch ein paar Kommentare meines Lehrers, der auch Biologie unterrichtet, zu hören, der dann hier und da noch was erklärt hat.

Nach circa einer Stunde waren wir durch mit der Ausstellung, meine Begleitung wollte noch was essen, direkt am Pommesstand vor Körperwelten (der verdient sicher irre gut…), während ich meine Follower auf dem Laufenden hielt. Bald danach machten wir, also meine Gruppe von 4 Leuten und Lehrer, uns wieder auf zur nächsten U-Bahn Station, fuhren in die Innenstadt, ließen uns von unserem Begleitlehrer hier und da ein bisschen von Köln zeigen, Anekdoten erzählen, bis wir uns schlussendlich am Rhein zu einem Kölsch hinreissen ließen. Ein wenig geplaudert, geraucht und dann ging es wieder zum Bahnhof, wo wir auch wieder die anderen Mitschüler trafen, die von ihrer Shoppingtour zurückkehrten. Im Bahnhof selbst habe ich dann noch für meinen Vater, der heute übrigens Geburtstag hat, eine Flasche Kölsch gekauft (für unsagbare 2 €), sodass wir dann gegen 15.30 Uhr wieder den Heimweg antraten.

Als Fazit von Körperwelten kann ich sagen, dass ich mir definitiv mehr vorgestellt habe. Selbst der ermäßigte Preis von 10 € pro Nase macht dem Ganzen sogar noch einen bitteren Beigeschmack. Das ganze Drumherum, es wäre so schockierend und ethisch kaum vertretbar, kann ich momentan nicht nachvollziehen. Klar, es sind tote Menschen, es sind echte Menschen, aber sie sind würdig dargestellt, und manch anderer glaubte sogar nicht dran. Nicht umsonst musste ich andauernd mit einem Seufzer sagen „doch, die sind echt, nein, das ist kein Plastik“. Wirklich empfehlen kann ich die Ausstellung leider nicht – weil es einfach langweilig ist, allerdings nicht, weil ich mich dafür nicht interessiere, eher im Gegenteil, aber wie schon oben gesagt, ich hätte mehr erwartet.
Trotzdem war die Minitour danach umso besser, obwohl da diverse Musikanten im Zug sehr genervt haben 😉 Hab ich vorher auch noch nie erlebt… Da stiefeln einfach drei-vier Leute mit Saxophon, Trommel und Akkordeon ins Zugabteil und spielen „Tequila“ und „When the Saints go Marching in“. Für euch habe ich mal ein paar Sekunden auf Handyvideo festgehalten 😉

http://vimeo.com/moogaloop.swf?clip_id=10116664&server=vimeo.com&show_title=1&show_byline=0&show_portrait=1&color=ffffff&fullscreen=1

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Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Bericht.

3 Kommentare zu “Herzenssachen in Köln

  1. Sebastian sagt:

    Der Boden dieses Zeltes wird sicher auch schuld sein das so viele der schönen Plastinate kaputt sind. Schade um die Arbeit und die Menschen die ihren Körper spendeten. Ich meine hier die Blutgefässe die zum Beispiel auseinandergefallen sind.

    Schockierend und nicht vertrebar sah ich die Ausstellung nicht, obwohl ich mir vorher drüber Gedanken gemacht habe wie es ist echte Leichen zu sehen.

    Aber alles halb so wild, entweder bin ich abgehärtet oder ab er die Veranstaltung und die Arbeit ist einfach dort zu gut.

    Schlimm war es nicht, die Kritiker sollten sich das Ding einfach mal ansehen.

    Nebenbei, ich habe schon am 9 Dezember meine Ansicht in einem Artikel verfasst ,falls er interessieren sollte.

    http://tonnendreher.net/2009/12/tote-korper/

  2. Bomel sagt:

    oi oi. Meine baldige Heimat^^

  3. Börgi sagt:

    😕 Oh ja die Musiker in der Bahn. Toll! Aber nicht so toll, wenn man die schon Morgens in der Bahn hat. Ich hab das hier zu oft, da ich hier in Köln wohne und täglich mit dem Zug fahre. 😉
    LG aus Köln

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