CD Kritik: KISS – Sonic Boom

Nach nun mehr als 10 Jahren, die die Herren haben uns warten lassen, hat KISS ein neues Album veröffentlicht. Nein, kein Best Of-Album, auch kein Best of the Best of-Album, sondern ein Album mit neuen Titeln, neuem Cover und generell gehören auch neue Kostüme, sowie ein neues Bühnenlayout dazu. Jetzt endlich also bekomme ich in meinem KISS Fan Dasein auch endlich mal das alles mit, was ich sonst alles immer nur nachlesen musste. Und natürlich lasse ich mir es auch nicht nehmen, meine Meinung zum neuen Album zu äußern. Also, here we go!

Los geht es mit dem ersten Lied, „Modern Day Delilah“. Sofort wird man mit einem Opener begrüßt, der besser nicht sein könnte. Harter Rock, der einen eindringlichen Sound hat, und das Riff hat jetzt schon Ohrwurmcharakter. Die Stimme von Paul Stanley hat sich über die Jahre hin verbessert, das merkt man ihm an. Das Zusammenspiel von Bridge zum Refrain ist sehr gut gelungen, zumal Mr. Simmons auch mit seiner eher raueren Stimme den „Vorwurf“ an Delilah unterstützt, nämlich „Same old ways / Modern day Delilah / It’s time you learn to give“.

Der zweite Song heißt „Russian Roulette“, wo man am Anfang schon mit extatischem Drumspiel von Eric Singer begrüßt wird. Danach verfällt der Song in seinem „Trott“, so mag man es meinen, wenn das Bassspiel von Mr. Simmons und die Drums von Mr. Singer zusammenfinden. Sofort weiß man, dass „Russian Roulette“ aus Simmons’ Feder stammt, wenn man die ersten Textzeilen von ihm hört „Some ladies love me, some ladies don’t“. Was mir besonders gut an diesem Lied gefällt, dass es nicht in einem durch geht, das heißt, dass sich das Tempo, so wie auch die Stimmlage von Gene Simmons ändert. Ab „you feel the hunger / but it’s much too much“ nimmt der Song richtig an Fahrt auf, bis es dann im Refrain „This is russian roulette / one pull of the trigger / is all you gonna get“ gipfelt, der allerdings weder so langsam ist, wie die Strophen, noch so schnell wie die Bridge ist. Auch das anschließende „Aha, ahaaa“ ist gut gelungen, sodass dieser Song ein klarer Favorit meinerseits ist.

Wo wir gerade bei Favoriten wären, so ist auch der dritte Titel „Never enough“ ein klarer von mir. Sofort ist man mitten im Geschehen, der Sound ist einfach so „driving“, dass man sich dem nicht entziehen kann. Man muss einfach mitwippen, schnippsen oder was auch immer. Ebenfalls bei dem Refrain „Gimme life, for the takin’ / Gimme love, till I’m shakin’ / Gimme rules, just for breakin’ / Cause it’s never enough, never enough“ muss man einfach mitsingen können, ähnlich wie damals bei „Crazy, Crazy Nights“. Auch vor dem Solo von Tommy Thayer, was mal wieder sehr gut gelungen ist, ist ein Part der wohl auf Konzerten ein echter Mitsing-Klassiker werden wird.

Das vierte Lied, „Yes, I know (Nobody’s perfect)“, klingt vergleichsweise langweilig, von dem, was wir bisher hören durften, was aber nichts daran ändert, dass es trotzdem ein guter Sound ist, Gene Simmons seine Stimme wieder sehr toll präsentieren kann und der Refrain gut gelungen ist. Und natürlich merkt man an diesem Song auch wieder hervorragend, dass Mr. Simmons wieder den Stift in die Hand genommen hat, wenn man beim Refrain hinhört: „No-no-nobody’s perfect / M-m-maybe I come awfully close“.

Ebenfalls wie „Never enough“ hat auch der fünfte Titel „Stand“ absoluten Livecharakter. Das Riff geht mal wieder komplett ins Ohr, es wird wieder schöner Rock’n Roll gespielt. Der Text ähnelt „We are one“ von Psycho Circus, ein Versprechen, so mag man es meinen, an die Fans, die über 35 Jahre zu ihrer Lieblingsband halten. Einige Zeilen ähneln jedenfalls diesem Gedanken: „I’ll be around / When the others are counting you out“ und „Stand by my side / I’ll be next to you / Stand by my side / and we’ll make it through“. Der instrumentlose Teil, der sich ähnlich wie bei “God gave Rock and Roll to you” anhört, überzeugt mich mehr und mehr vom Livecharakter. Ein mutmachendes Lied, was jeden KISS Fan (oder die, die’s noch werden wollen) anspricht. Bravo!

Beim sechsten Lied „Hot and Cold“ kommt man ins Schmunzeln, wenn man ganz genau zuhört. Wieder muss Mr. Simmons zeigen, dass er mitwirkte: „Let me introduce you to pleasure / I will seduce you my treasure” sowie auch “I’ve got the power any hour / Baby feel my tower of power!”. Vom musikalischen her ist das Lied, ähnlich wie “Yes I know (Nobody’s perfect)” weniger anspruchsvoll, wobei auch hier wieder gilt: Es ändert nichts an dem perfekten Zusammenspiel aller Musiker und ist ein tolles Lied, wobei es eher nicht in der Setlist der Konzerte landen würde.

Endlich, endlich, endlich, durfte der hochgeschätzte Eric Singer beim siebten Lied „All for the glory“ auch einmal sein sängerisches Talent zeigen. Lange habe ich darauf gewartet, bis es soweit kommt, und nun, tadaa, da ist es. Gut, ich kannte seine Stimme schon (von Nothin’ to lose, Unplugged 1995) aber das Lied haut einen sowohl stimmlich wie auch musikalisch aus den Socken. Wieder schön kräftig in die Trommeln gehauen, in die Saiten gegriffen, ein ohrwurmsicheres Riff dazu und da haben wir „All for the glory“. Der Canonartige Refrain geht sofort ins Ohr und macht gute Laune.

Danger Us“, das achte Lied der CD, fängt unspektakulär mit einem Gitarrenriff an, geht dann aber zügig weiter. Als Paul Stanley dann noch das Mikrofon ergreift bekommt man wieder das Verlangen, mitwippen und mitschnippsen zu müssen. Gut, vom textlichen her mal abgesehen („Danger you / Danger me / Danger us“) ist das Lied gelungen, und erinnert sehr an die Paul Stanley Art, die man auf „Live to Win“ hören durfte. Mir gefällt das Lied ganz gut, zählt aber nicht zu meinen absoluten Favoriten.

Als neuntes Lied hören wir hier „I’m an Animal“, was den typischen Simmons Groove hat, so nenn ich es jetzt einfach mal. Es fängt an mit einem KISS untypischen langen Intro, bis man dann, mal wieder, von Simmons rauer Stimme begrüßt wird. Das ganze Lied wirkt im Zusammenspiel eher düster und schwer, und hat auch, man kann es erahnen, starke Ähnlichkeiten zu „God of Thunder“. Der canonartige Refrain unterstreicht den, wie ich denke, „Carnival of Souls“ Charakter.

Das zweitletzte Lied, „When Lighting strikes“ hat mal wieder den Mitschnippscharakter. Was hier besonders zu erwähnen ist: Lead Gitarrist Tommy Thayer beherrscht hier den vokalen Part, dessen Stimme überraschend gut ausfällt, aber nicht annähernd charakteristisch ist wie die Simmons- oder Stanleystimme. Auch wenn dieses Lied wieder zum Rock and Roll tendiert, bezweifle ich auch hier, dass es in die Setlist gepackt wird, auch wenn es Laune macht.

Das letzte Lied es Albums, „Say yeah“ ist ein großartiger Abschied. Stanley übernimmt auch hier den Gesang, und bei den ersten Tönen muss man unweigerlich an sein Solo Album „Live to win“ denken, was nicht negativ zu bemerken ist. Der sehr kraftvolle Refrain lädt ein, mitzuschreien, wenn Mr. Stanley einen auffordert mit „Say yeah!“ Alles in einem ist dieser Song ein ausdruckstarkes, kräftiges und schweres Zusammenspiel aller Instrumente, sowie auch aller Mitglieder, die im Hintergrund mitträllern dürfen. Auch dieses Lied hat Livecharakter und ist ein absolut gelungener Abschluss vom neuen Album.

Alles in einem ist das Album „Sonic Boom“ wirklich gelungen und das Warten hat sich gelohnt. Man ist wirklich einfach nur hin und weg, es ist ein Unterschied zu seinen Vorgängern, es ist kein normaler Rock’n Roll mehr, sondern kräftiger Rock, der richtig gut mit voll aufgedrehten Boxen zu bestaunen ist. Mich hat das Album total überzeugt, und das nicht nur, weil Singer und Thayer endlich auch mal zum Mikrofon greifen dürfen, sondern auch, weil es keine Balladen mit sich bringt und man richtig gute Laune dadurch bekommt. Das Warten hat sich gelohnt – die Tour kann kommen!

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