Fremdschämen

Kennt ihr das auch, diese bestimmten Situationen, wo man am liebsten im Erdboden versinken würde? Aber nicht, weil man selber etwas blödes gesagt hat oder weil einem selber etwas peinliches passiert ist, sondern jemandem anders.
Um ehrlich zu sein, mir passiert das ziemlich oft. Man muss nur den Fernseher einschalten. Da sieht man dann im heuten Fernsehprogramm, meist weibliche, Teenies, die per Videotagebuch ihr erstes Mal festhalten. Sie reden darüber, wie lange sie schon mit ihrem Partner zusammen sind, dass sie mit ihren Eltern darüber geredet haben und über Verhütung Bescheid wissen. Alles gut und schön, bis es dann aber soweit kommt, dass sie ihren Partner auch vor die Kamera zerren, ganz nach dem Motto „Komm Schatz, erzähl doch mal, was wir vorhaben.“ Dann wird sich ein Tag später mit den Eltern am Küchentisch über das Gespräch mit dem Partner unterhalten, natürlich auch mit Kamera. Als es dann passiert ist, wird, wieder ganz normal, die Kamera eingeschaltet und man sieht das Mädchen mit dem Partner im Bett liegen, nur in Bettlaken eingehüllt und froh verkünden sie „Wir haben’s getan.“ Morgens am Frühstückstisch wird es auch den Eltern gesagt und die Mutter umarmt ihre Tochter herzlich, als ob sie gerade den Führerschein bestanden hat. Im Grunde habe ich nichts gegen Aufklärung in den Medien, aber das ist dann wieder so ein Moment wo ich denke: „Muss das jetzt sein?!“
Es gibt auch im Alltag solche Situationen, wo ich mich fermdschäme. Abends, in geselliger Runde, sagt irgendjemand etwas falsches. Diese Person ist absolut davon überzeugt, obwohl sie ganz genau weiß, dass es nicht der Wahrheit entspricht. Trotzdem beharrt sie auf ihre Meinung. Betroffenes Schweigen macht sich breit und wieder bin ich kurz davor im Erdboden zu versinken. Blöde peinliche Stille.
Elternteile können das auch ziemlich gut. Ich meine, jemanden, bzw. das Kind, zum Fremdschämen zu bringen. Nehmen wir mal das Beispiel Elternsprechtag. Das Kind hat vorher gesagt „Mama, wunder dich nicht, die Lehrerin redet ganz komisch. Die hat irgendwas mit der Nase.“ Eigentlich eine gut gemeinte Warnung, damit der Elternteil nicht im plötzlichen Gelächter ausbricht, wenn die Lehrkraft ein quietschendes „Hallo“ von sich gibt. Doch was passiert? Der Elternteil sitzt dann vor der Lehrerin und erzählt „Haha, meine Tochter hat schon gesagt, ich sollte mich nicht wundern, dass sie komisch reden.“ Die Lehrkraft lacht beherzt mit, was soll sie auch anderes tun? Und schon wieder wird ein Erdloch gesucht – von dem Kind und von der Lehrerin.
Es gibt tausende Beispiele davon. Ich finde es absolut schrecklich, dieses Fremdschämphänomen. Vor allem, weil man nicht direkt daran beteiligt ist und es somit auch irgendwie nicht verhindern kann. Man fühlt sich hilflos, beschämt und peinlich berührt.
Kennt ihr solche Situationen auch?

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Ein Kommentar zu “Fremdschämen

  1. Ricarda sagt:

    Ich kenn ein Elternteil, dass ist gut darin 😉

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